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"Sokrates (???????? S?krát?s; * 469 v. Chr. in Alopeke, Athen ; ? 399 v. Chr. in Athen) war ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph , der in Athen zur Zeit der Attischen Demokratie lebte und wirkte. Zur Erlangung von Menschenkenntnis, ethischen Grundsätzen und Weltverstehen entwickelte er die philosophische Methode eines strukturierten Dialogs, die er Maieutik (?Hebammenkunst?) nannte." (Wikipedia)

Das bekommt man bei Wikipedia als Ergebnis, wenn man Sokrates im der Suchmaske eingibt. Zurückgerechnet war sein Einfluss auf die Gesellschaft vor über 2000 Jahren spürbar. Befasst man sich ein wenig tiefer mit Sokrates so gibt es ein Thema, welches heute präsenter denn je ist: Die 3 Siebe des Sokrates.


3 Siebe des Sokrates

Zum weisen Sokrates kam einer und sagte: "Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!"
"Halte ein!" unterbracht ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.
 
"Ja, guter Freund! Lasse sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe hindurchgeht:
Das erste ist die Wahrheit. - Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"
"Nein, ich hörte es jemanden erzählen und..."
 
"So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. -
Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."
 
"Hm", unterbrach ihn der Weise , "so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden.
Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?"
"Notwendig nun gerade nicht ..."
 
"Also?, sagte lächelnd der Weise , "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist,
so lasse es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."

 

Die 3 Siebe des Sokrates sind schnell erzählt, haben jedoch einen unheimlich tiefen Gehalt.

Sie sind als Filter für Kommunikation (und dementsprechendem Handeln) zu verstehen.

Es gibt 3 Siebe die nacheinander durchlaufen werden. Dabei ist es unerheblich, ob ich eine Information erhalte oder weitergebe (Empfänger bin oder Sender). Als Empfangender kann ich die Siebe anwenden, um für mich zu entscheiden, ob die empfangende Nachricht für mich sinnvoll ist oder eben nicht. Falls ich sie als sinnlos erachte, kann ich sie sofort wieder vergessen und halte sie nicht im Bewusstsein.

Als Sender habe ich die Aufgabe verantwortungsvoll mit Informationen umzugehen und kann hier viel Lernen. Somit sind die Siebe bei Ein- und Ausgang der Informationen aktiv und es wird optimalerweise Reflektion beim Empfänger und Sender gefördert. 


1) Das Sieb der Wahrheit

Das erste Sieb ist das der Wahrheit.

Jede Nachricht sollte auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Hier wird es nun schon ein wenig schwierig, gerade wenn es darum geht, dass ich etwas, was mir selber zugetragen wurde, weitererzählen möchte, wenn ich die Quelle nun gar nicht kenne. Dieses Sieb filtert schon von sich aus einiges an unnötigem Schotter heraus.

Vorausgesetzt ich bin selber bereit die Information auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Kenne ich die Quelle kann ich selber nachfragen und mir ein Bild machen. Das gestaltet sich heutzutage allerdings aufgrund der Reiz- und Informationsflut als äußerst schwierig, wobei es sich sowieso empfiehlt immer selber der Wahrheit nachzugehen. Habe ich die Wahrheit prüfen können, komme ich unweigerlich zum zweiten Sieb.

 

2) Das Sieb der Güte

Das zweite Sieb ist das Sieb der Güte.

Das Sieb der Güte sollte unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden.

Die Güte bezieht sich nicht nur darauf, ob die Nachricht gut ist, sondern viel mehr auf den überpersönlichen Aspekt, ob die Nachricht einen fördernden oder wohltätigen Aspekt für die andere Person darstellt. Hier soll vom Sender abgewägt werden, ob er eine ?gute? Tat für den Empfänger vollbringt, indem er diese Nachricht an ihn weitergibt.

Oder in anderen Worten: Ist die Information aus der Sichtweise des Empfängers hilfreich, förderlich oder eben gütig.

 

3) Das Sieb der Notwendigkeit

Das letzte Sieb ist das Sieb der Notwendigkeit.

Hier verhält es sich ähnlich wie beim Sieb der Güte. Die Notwendigkeit bezieht sich hier hauptsächlich auf die Sicht des Empfängers. Ist es aus der Sicht des Empfängers wichtig oder notwendig, dass er die Nachricht hört.

 

Persönliche vs überpersönliche Ebene

Betrachtet man die Siebe hinsichtlich der Qualität erkennt man, dass sie unterschiedliche Ebenen bedienen: die persönliche Ebene und die überpersönliche Ebene.

Die persönliche Ebene kommt nur bei dem ersten Sieb zur Anwendung. Da oft die Quelle der Aussage nicht mehr gefunden werden kann oder die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt, muss man selber entscheiden, ob das Sieb der Wahrheit zutrifft. Dadurch, dass man nur sich selbst mit der Wahrheit abgleicht, ist dies eine rein persönliche Ebene, weil es nur einen selbst betrifft.

Anders ist dies bei den beiden anderen Sieben. Sowohl bei Güte, als auch bei Notwenigkeit geht es um den Nutzen für die andere Person. Güte und Notwendigkeit stellen dabei beide förderliche Aspekte dar, die zu Handlungsanweisungen für den Empfänger werden können, zumindest aber eine Richtung vorgeben können.

Sie haben beide einen engen Sinnbezug für den Empfänger. Der Sinnbezug des Empfängers ist das persönliche Warum und stellt einen Bezug her. Ohne Bezug sind wir orientierungs- und ziellos und fühlen uns unsicher.

Als Sender habe ich somit durch meine Aussagen die Möglichkeit den Empfänger in irgendeiner Weise zu unterstützen. Somit stellt der überpersönliche Aspekt eine selbstlose Tat des Senders dar.

Die überpersönlichen Siebe wirken stärker als das persönliche, weil sie eine selbstlose Tat beinhalten und somit eine noble Gesinnung beinhalten. Der Sender hat keinen Eigennutzen und hat das Wohl des anderen im Sinn. So entsteht unter anderem gegenseitige Wertschätzung und Ent-wickelung. Durch das Anwenden der Siebe wird der Sender zu Reflektion aufgefordert und soll zu mehr bewusstem Handeln im Sinne von Selbstlosigkeit und Empathie angeregt werden.

Dadurch, dass sowohl die persönliche, wie auch überpersönliche Ebene in den Sieben enthalten sind, kommt es auf Seiten des Anwenders zwangsläufig zu einem gesteigerten Bewusstsein und mehr Empathie.

Die Genialität dieses kleinen Tools für Kommunikation und zwischenmenschlichen Umgang ist unbestritten. Leider ist sie heutzutage immer noch weitestgehend unbekannt und findet kaum Anwendung.

Dieses Werkzeug gehört in jede Erziehung, jedes Unternehmen, einfach überall in unser Leben und sollte regelmäßig unterrichtet werden.

 

2 von 3 sollten zutreffen

Richtet man sich nach der Regelung, dass 2 von 3 Sieben zutreffen sollten, um etwas auszusprechen oder weiterzuerzählen ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Darüber hinaus wird so gewährleistet, dass auf jeden Fall mindestens ein überpersönliches Sieb dabei ist. Überpersönliche Siebe wirken stärker als persönliche, weil sie nicht egoistischer Natur sind, weswegen hier auch 2 von 3 ausreichen.

 

Fazit

Abschließend lässt sich feststellen, dass dieses über 2000 Jahre alte Werkzeug in seiner Einfachheit und Größe bislang unübertroffen ist. Es ist für jeden verständlich und sofort anwendbar. Gerade in der heutigen Zeit von Reizüberflutung, sozialen Medien und Nachrichtenflut wäre es so wichtig, sich die Zeit zu nehmen die 3 Siebe immer wieder anzuwenden. Unabhängig davon, das ich etwas gutes für andere tun kann, trägt es in mir zu mehr Bewusstsein und Reflektion bei.

Hinzu kommt der Aspekt, dass dieser Filter mich selber, weil ich nicht alles was ich höre, sofort ungefiltert weitertrage. Je öfter und sicherer ich in der Anwendung stehe, desto mehr Gelassenheit, Klarheit und Akzeptanz entwickle ich in mir und kann sie so wiederum meinen Mitmenschen zu Teil werden lassen.